Milchviehhalter dringen auf rasches Handeln für höhere Preise

27. Juli 2008

Berlin – Die Milchviehhalter dringen vor dem Spitzengespräch bei Agrarminister Horst Seehofer (CSU) auf ein rasches Handeln für höhere Preise.

Milchviehhalter dringen auf rasche Aktionen für höhere Preise «Wir brauchen wirklich sofort Signale und Maßnahmen, damit weniger Milchmenge auf den Markt kommt», sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaber, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Er zeigte sich vorsichtig optimistisch. «Der Wille bei Seehofer ist da.» Unklar sei, ob alle Länder die Vorschläge für weniger Milchmenge unterstützten. «Deshalb wird am Montag bei allen (Agrar)- Länderministern in Deutschland noch einmal eine Aktion stattfinden, wo wir Druck machen.»

Der Verbandschef bekräftigte, dass ein neuer Lieferstopp möglich sein, wenn es nicht zu Maßnahmen zugunsten der Bauern komme. «Ganz ausschließen können wir es nicht», sagte Schaber. Die Bauern hätten «eine sehr hohe Erwartungshaltung». Das heiße aber nicht, dass der Verband «auf einen neuen Lieferstopp hinarbeitet oder dass wir an einem interessiert sind». Vor einigen Wochen hatten tausende Milchbauern mit einem Lieferstopp erreicht, dass Milch und Butter in mehreren Handelsketten nach Preissenkungen wieder etwas teurer wurden.

Seehofer warnte vor einem neuen Milchboykott. Er könne davon nur abraten und gehe auch nicht davon aus, dass es dazu kommt, sagte der Minister der «Passauer Neuen Presse» (Samstag).

Die Milchviehhalter wollen die Preise mit besserer Marktsteuerung stabilisieren, was nach ihrer Ansicht auch Verbrauchern nützt. «Die krassen Preisschwankungen, wie wir es jetzt 2007 und 2008 erlebt haben, setzen uns sehr zu, schaden letztendlich den Verbrauchern und den Bauern und nützen nur Spekulanten», sagte Schaber. Er verlangt einen Mindestpreis für Bauern von 43 Cent pro Liter Milch. Die Preise seien zwar gestiegen, «aber insgesamt gesehen viel zu wenig». Das Ziel seien nicht überzogene Preise für Verbraucher, sondern dass das Geld bei den Bauern ankomme. Der Verband schlägt zudem eine Umlage von 0,5 Cent pro Kilo Milch vor, die in einen Fonds fließen soll, um etwa einen freiwilligen Lieferverzicht zu entschädigen.

Der Deutsche Bauernverband hält unter anderem eine Bündelung von Erzeugern und Verarbeitern für notwendig, um die Marktmacht der Bauern zu stärken. Er verlangt außerdem einen Milchfonds, der aus freien EU-Agrarmitteln finanziert wird. Einen Mindestpreis lehnt der Bauernverband ab. Der Milchviehhalterverband unterstützt das Ziel von Verkaufsgemeinschaften zwar generell. Er sieht darin aber keine Lösung, um das «Grundsatzproblem des Überhangs am Markt» zu lösen.

EU-Kommissarin Mariann Fischer-Boel signalisierte die Möglichkeit einer Unterstützung für die kleineren Milchbauern in Deutschland.
«Ich nehme die Sorgen der deutschen Milchbauern sehr ernst. In den aktuellen Beratungen zur landwirtschaftlichen Lage werden wir eine Lösung für die kleinen Milcherzeuger finden, damit sie auch ohne Milchquoten überleben können», sagte Fischer-Boel der «Bild-Zeitung» (Samstag). Die kleinen Betriebe spielten gerade in wirtschaftlich schwächeren Regionen eine wichtige Rolle. «Daher werden wir Wege finden, ihnen beim Anpassungsprozess zu.

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